Autorinnen: Jacinta Musyoki, Elina Sipilä, Anita Lintula
Alice Mueni Mutisya ist 73 Jahre alt und lebt im Dorf Kyanziu im Bezirk Tulimani. Sie hat einen großen Teil ihres Lebens Landwirtschaft betrieben. Begonnen hat sie damit in den 1980er Jahren nach ihrer Heirat. Ihre Schwiegereltern glaubten fest an die Landwirtschaft, ermutigten sie dazu und unterstützten sogar ihre Ausbildung in diesem Bereich.

Die Landwirtschaft ist seitdem ein zentraler Teil ihres Lebens geblieben. In den vergangenen Jahren ist sie jedoch schwieriger geworden. Wie viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern hatte auch Alice mit begrenztem Zugang zu Setzlingen und Dünger, fehlenden finanziellen Mitteln für Arbeitskräfte und Bodenvorbereitung sowie zunehmend unvorhersehbaren Regenfällen zu kämpfen.
Neue Wege der Anpassung
Durch eine Nachbarin erfuhr Alice von klimaintelligenter Landwirtschaft und schloss sich der Kyanziu Farmer Field School an, um mehr zu lernen. Dort erweitern Bäuerinnen und Bauern ihr Wissen gemeinsam – durch Schulungen und praktische Arbeit auf dem Feld.
„Da ich Landwirtschaft schon immer mit Leidenschaft betrieben habe, entschied ich mich, mitzumachen und dazuzulernen“, sagt sie.
In der Farmer Field School lernte Alice unter anderem Zai-Gruben, Mischkultur, Fruchtfolge, frühe Aussaat, richtige Pflanzabstände sowie einen besseren Umgang mit Schädlingen und Pflanzenkrankheiten kennen. Sie begann, diese Methoden auf ihrem eigenen Hof anzuwenden, und die Veränderung war deutlich: Innerhalb einer Saison stieg ihre Maisernte von 8 Säcken auf 20 Säcke.
„So eine Ernte hatte ich in dieser Saison noch nie“, sagt Alice stolz.
Die bessere Ernte hat neue Möglichkeiten eröffnet, darunter die Renovierung ihres Hauses und den Kauf eines Wassertanks.

Mehr als nur Anbaumethoden
Alices Geschichte steht auch für eine größere Realität. In vielen ländlichen Gemeinden tragen Frauen einen großen Teil der Verantwortung sowohl für die Arbeit auf dem Hof als auch für den Haushalt – oft ohne gleichen Zugang zu Land, Einkommen oder Entscheidungsmacht.
„Viele Frauen haben nicht das Recht, Land zu besitzen. Andere haben nicht genug Geld, um Arbeitskräfte zu bezahlen, und tragen gleichzeitig viele familiäre Verpflichtungen“, erklärt Alice.
Für Bäuerinnen geht es bei klimaintelligenter Landwirtschaft nicht nur darum, was auf dem Feld geschieht. Es geht auch um Wissen, Selbstvertrauen und eine stärkere Stimme bei Entscheidungen im Alltag.
Durch Schulungen zu Gender Equality and Social Inclusion (GESI) hat Alice nach eigenen Worten gelernt, wie wichtig es ist, andere aktiver in Entscheidungen rund um Haushalt und Landwirtschaft einzubeziehen. Heute achtet sie darauf, dass die Mitglieder ihres Haushalts an Gesprächen über das Farmmanagement beteiligt sind.
Heute spielt sie eine aktive Rolle bei Entscheidungen in ihrem Haushalt, von der Auswahl des Saatguts über die Bodenvorbereitung und das Pflanzenmanagement bis hin zur Einstellung von Arbeitskräften.
Wissen teilen und nach vorn blicken
Alices Hof hat die Aufmerksamkeit von Nachbarinnen und Nachbarn geweckt. Viele wollten verstehen, wie sie ihre Ernte verbessern konnte. Alice hat ihr Wissen weitergegeben und andere ermutigt, ähnliche Methoden auszuprobieren.
„Viele Nachbarn haben mich gefragt, wie ich meine Ernte verbessern konnte. Ich habe das Wissen und die klimaintelligenten Anbaumethoden weitergegeben, die ich gelernt habe“, sagt sie.

Bislang haben mindestens fünf Landwirtinnen und Landwirte in ihrer Gemeinde begonnen, ähnliche klimaintelligente Landwirtschaftspraktiken auszuprobieren, nachdem sie von Alice gelernt haben.
Ihre Erfahrung erinnert daran, dass sich Wandel oft von einer Bäuerin oder einem Bauern zur nächsten Person verbreitet. Wenn Frauen neue Fähigkeiten und mehr Selbstvertrauen gewinnen, können sie in ihren Gemeinden zu wichtigen Wissensträgerinnen werden.
„Ignoriert niemals die Chance zu lernen. Jedes Projekt bringt Wissen, das euer Leben verändern kann. Klimaintelligente Landwirtschaft ist der richtige Weg“, sagt Alice.
Mit Blick auf die Zukunft hofft Alice, ihren Hof weiterzuentwickeln, mehr Obstbäume zu pflanzen und weiter neue Wege des Anbaus zu lernen. Ihre Geschichte zeigt, wie Frauen Widerstandskraft angesichts von Klima- und Wirtschaftsrisiken aufbauen – und wie diese Stärke weit über einen einzelnen Hof hinaus wachsen kann.







